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Firmeninsolvenzen 2026: Welche Branchen besonders betroffen sind

Firmeninsolvenzen erreichen 2026 den höchsten Stand seit 2013. Verkehr, Gastgewerbe und Bau trifft es am härtesten. Die aktuellen Zahlen, Ursachen und Schutzstrategien.

Firmeninsolvenzen: Große, leere Lagerhalle ohne Menschen und ohne Waren

Foto: Brian Wangenheim / Unsplash

Firmeninsolvenzen haben in Deutschland 2026 den höchsten Stand seit mehr als einem Jahrzehnt erreicht. Laut Statistischem Bundesamt stellten im ersten Halbjahr 12.812 Unternehmen einen Insolvenzantrag, 6,7 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Besonders hart trifft es Spediteure, Gastronomen und Bauunternehmen, aber zunehmend auch Dienstleister und größere Mittelständler.

Für dich als Unternehmer, Geschäftsführer oder Finanzverantwortlicher ist die Statistik mehr als eine Schlagzeile. Jede Pleite eines Kunden oder Lieferanten kann dein eigenes Geschäft treffen, über Forderungsausfälle, abgerissene Lieferketten oder plötzlich fehlende Aufträge. Wer weiß, welche Branchen wanken, kann Risiken früher erkennen.

Dieser Beitrag zeigt dir, wo die Firmeninsolvenzen 2026 konzentriert sind, welche Ursachen dahinterstehen, was Ökonomen für die kommenden Monate erwarten und mit welchen Schritten du dein Unternehmen absicherst.

Firmeninsolvenzen 2026: Die Lage in Zahlen

Die amtlichen Daten zeichnen ein klares Bild. Bereits im ersten Quartal registrierte Destatis 6.275 beantragte Unternehmensinsolvenzen, ein Plus von 6,5 Prozent. Im März lag der Zuwachs gegenüber dem Vorjahresmonat bei 15,8 Prozent, im Juni ebenfalls bei 15,8 Prozent mit 2.266 Verfahren. Der Mai bildete mit einem leichten Rückgang von 2,0 Prozent die Ausnahme.

Auf das gesamte erste Halbjahr gerechnet kommt Destatis auf 12.812 Firmeninsolvenzen. Die Wirtschaftsauskunftei Creditreform schätzt für denselben Zeitraum rund 12.900 Fälle und spricht vom höchsten Halbjahreswert seit 2013. Die Abweichung bei den Firmeninsolvenzen erklärt sich durch unterschiedliche Methoden, die Richtung ist bei beiden Quellen identisch.

Auffällig ist ein scheinbarer Widerspruch: Die voraussichtlichen Gläubigerforderungen sanken laut Destatis auf rund 18,5 Milliarden Euro, nach 28,2 Milliarden Euro im ersten Halbjahr 2025. Das Vorjahr war durch einige sehr große Verfahren mit hohen Schulden geprägt. Weniger Schaden pro Fall bedeutet also nicht, dass sich die Lage entspannt hat.

Was der IWH-Insolvenztrend zeigt

Das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) wertet Insolvenzbekanntmachungen der Gerichte aus und ist damit schneller als die amtliche Statistik. Nach dem IWH-Insolvenztrend gab es im zweiten Quartal 2026 insgesamt 4.996 Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften. Das ist der höchste Quartalswert seit dem zweiten Quartal 2005.

Im August 2026 zählte das IWH 1.525 Firmeninsolvenzen. Das waren zwar 10 Prozent weniger als im Juli, aber 9 Prozent mehr als im August 2025 und 63 Prozent mehr als im Durchschnitt der Jahre 2016 bis 2019. Die Hallenser Forscher werten den Rückgang deshalb als Atempause, nicht als Wende.

Firmeninsolvenzen im Baugewerbe: Mehrere Turmdrehkräne über einer Baustelle bei Sonnenaufgang
Foto: Artem Labunsky / Unsplash

Was zählt die Statistik als Firmeninsolvenzen?

Firmeninsolvenzen sind beantragte Insolvenzverfahren von Unternehmen, also Kapitalgesellschaften, Personengesellschaften und Einzelunternehmen. Ein Antrag ist Pflicht, sobald ein Unternehmen zahlungsunfähig oder überschuldet ist. Destatis erfasst die Fälle erst nach der ersten Entscheidung des Insolvenzgerichts, weshalb die amtlichen Zahlen dem tatsächlichen Geschehen rund drei Monate hinterherlaufen.

Diese Verzögerung ist wichtig, wenn du Zahlen zu Firmeninsolvenzen liest. Die im September veröffentlichten Juni-Werte bilden im Kern die wirtschaftliche Lage vom Frühjahr ab. Frühindikatoren wie der IWH-Insolvenztrend oder die Monatsauswertungen der Amtsgerichte zeigen Wendepunkte deshalb meist früher.

Daneben lohnt der Blick auf die Insolvenzhäufigkeit. Sie setzt die Fälle ins Verhältnis zur Zahl der Unternehmen einer Branche und macht Sektoren unterschiedlicher Größe vergleichbar. Erst diese Kennzahl zeigt, wo das Risiko pro Betrieb wirklich am höchsten ist.

Welche Branchen von Firmeninsolvenzen besonders betroffen sind

Im ersten Halbjahr 2026 kamen laut Destatis über alle Wirtschaftsbereiche hinweg 36,2 Firmeninsolvenzen auf 10.000 Unternehmen. Drei Branchen lagen deutlich darüber:

  • Verkehr und Lagerei: 71,6 Fälle je 10.000 Unternehmen, fast doppelt so viele wie im Durchschnitt
  • Gastgewerbe: 59,6 Fälle je 10.000 Unternehmen
  • Baugewerbe: 53,4 Fälle je 10.000 Unternehmen

Diese Rangfolge bei den Firmeninsolvenzen ist seit Jahresbeginn stabil. Schon im ersten Quartal führten dieselben drei Branchen die Statistik an, mit 32,1, 30,3 und 26,7 Fällen je 10.000 Unternehmen bei einem Durchschnitt von 17,7.

Verkehr und Lagerei: Logistik unter Margendruck

Transport- und Logistikunternehmen arbeiten traditionell mit dünnen Margen. Steigende Kosten für Personal, Maut, Fahrzeuge und Energie lassen sich nicht immer an Auftraggeber weitergeben, vor allem wenn Industrie und Handel selbst weniger Ware bewegen. Viele kleine Fuhrunternehmen haben kaum Eigenkapital, um schwache Monate zu überbrücken.

Hinzu kommt der Wettbewerb um Fahrer, der die Lohnkosten treibt. Wer Flotten auf Kredit finanziert hat, spürt zudem die gestiegenen Zinsen bei jeder Anschlussfinanzierung.

Gastgewerbe: Kosten steigen schneller als die Umsätze

Restaurants, Cafés und Hotels kämpfen mit höheren Preisen für Lebensmittel, Energie und Personal, während viele Gäste genauer aufs Geld achten. Die Branche hat kaum Puffer aufgebaut, nachdem sie in den Pandemiejahren Rücklagen aufgezehrt hatte. Wie groß die Erschütterung sein kann, zeigt die Insolvenz der Revo Hospitality Group, die Creditreform mit rund 5.000 betroffenen Beschäftigten zu den größten Fällen des Halbjahres zählt.

Baugewerbe: Die lange Flaute im Wohnungsbau

Am Bau wirken die Folgen des Zinsanstiegs nach. Weniger Neubauprojekte, höhere Materialpreise und eine schwache Nachfrage im Wohnungsbau setzen vor allem kleinen Handwerksbetrieben und Bauträgern zu. Creditreform verzeichnet für das Baugewerbe im ersten Halbjahr ein Plus von 4,5 Prozent bei den Firmeninsolvenzen.

Viele Bauunternehmen leiden zusätzlich unter Zahlungsverzug ihrer Auftraggeber. Fällt ein Generalunternehmer aus, reißt er oft mehrere Subunternehmer mit, weil deren Rechnungen offenbleiben.

Dienstleistungen, Handel und Industrie

In absoluten Zahlen dominiert der Dienstleistungssektor. Creditreform zählt hier rund 7.900 Firmeninsolvenzen im ersten Halbjahr, ein Anstieg um 12,6 Prozent. Damit entfallen gut 61 Prozent aller Fälle auf Dienstleister, von Agenturen über Beratungen bis zu Pflege- und Gesundheitsanbietern.

Der Handel ist laut Creditreform die einzige Hauptbranche mit leicht rückläufigen Zahlen, liegt aber weiter auf hohem Niveau. Dass auch große Händler nicht sicher sind, zeigt die Insolvenz des Lebensmittelhändlers Feneberg mit rund 2.900 Beschäftigten. In der Industrie stehen vor allem energieintensive Betriebe und Zulieferer unter Druck, die mit schwacher Nachfrage und hohen Standortkosten ringen.

Warum die Firmeninsolvenzen so hoch bleiben

Hinter den Zahlen steht keine einzelne Ursache, sondern ein Bündel von Belastungen, das viele Betriebe gleichzeitig trifft. Creditreform spricht von einer Krisenzange aus schwacher Konjunktur und hohen Kosten.

  • Schwache Nachfrage: Die deutsche Wirtschaft wächst seit Jahren kaum, Aufträge und Umsätze bleiben in vielen Branchen hinter den Plänen zurück.
  • Hohe Kosten: Energie, Löhne, Material und Bürokratie belasten die Margen, vor allem bei kleinen Unternehmen ohne Preissetzungsmacht.
  • Teurere Finanzierung: Kredite aus der Niedrigzinsphase laufen aus und müssen zu deutlich höheren Zinsen verlängert werden.
  • Dünnes Eigenkapital: Viele Betriebe haben in Pandemie und Energiekrise ihre Reserven aufgebraucht.

Wie verbreitet die Finanzierungsprobleme sind, zeigt eine Kennzahl von Creditreform: 7,5 Prozent der Unternehmen können ihre Zinsen nicht ausreichend aus dem laufenden Ergebnis bedienen. 2015 waren es 6,5 Prozent. Im Dienstleistungssektor liegt der Anteil sogar bei 9,1 Prozent.

Ein weiterer Treiber der Firmeninsolvenzen ist ein Nachholeffekt. Während der Pandemie hielten Staatshilfen und die zeitweise ausgesetzte Antragspflicht viele schwache Unternehmen am Markt. Ein Teil dieser Fälle tritt erst jetzt zutage, was das Niveau zusätzlich anhebt.

Große Pleiten, junge Firmen: Wer 2026 scheitert

Die meisten Firmeninsolvenzen betreffen weiterhin Kleinstbetriebe. Laut Creditreform haben 81 Prozent der insolventen Unternehmen weniger als zehn Beschäftigte. Doch die Dynamik hat sich verschoben: Bei Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitern stieg die Zahl der Fälle um 28,6 Prozent, bei mittleren Firmen mit 51 bis 250 Beschäftigten um 4,8 Prozent.

Das hat spürbare Folgen für den Arbeitsmarkt. Creditreform schätzt, dass im ersten Halbjahr rund 165.000 Arbeitsplätze von Insolvenzen betroffen waren. Das IWH meldete für das zweite Quartal etwa 45.500 betroffene Jobs allein in den größten zehn Prozent der insolventen Unternehmen. Im August lag dieser Wert bei über 16.000 und damit 33 Prozent über dem Vorjahresmonat.

Gleichzeitig scheitern mehr junge Unternehmen. Bei Firmen, die höchstens zwei Jahre alt sind, registriert Creditreform ein Plus von 25,3 Prozent, bei drei bis vier Jahre alten Betrieben von 11,1 Prozent. Gründer starten in einem Umfeld hoher Kosten und knapper Finanzierung, und Fehler in der Anfangsphase verzeihen Markt und Banken weniger als früher.

Wenn große Arbeitgeber fallen, betreffen Firmeninsolvenzen nicht nur die eigene Belegschaft. Zulieferer, Dienstleister und der lokale Handel spüren die Folgen oft monatelang.

Ein Teil der Unternehmen versucht, Personalabbau mit Kurzarbeit abzufedern, bevor es zum Äußersten kommt. Welche Regeln dabei aktuell gelten, erfährst du in unserem Überblick zum Kurzarbeitergeld 2026 und seinen Voraussetzungen.

Ausblick: Wann sinken die Firmeninsolvenzen wieder?

Eine schnelle Entwarnung erwartet derzeit keine der führenden Quellen. Creditreform geht davon aus, dass der Höhepunkt der Pleitewelle noch nicht erreicht ist, und rechnet mit einer Trendwende frühestens im Verlauf des Jahres 2027. Das IWH erwartet für die kommenden Monate erneut sehr hohe Fallzahlen.

Ob sich die Lage bessert, hängt vor allem an drei Faktoren: einer spürbaren Belebung der Konjunktur, stabilen oder sinkenden Finanzierungskosten und einer Entlastung bei Energie- und Bürokratiekosten. Öffentliche Investitionsprogramme könnten insbesondere dem Bau und der Industrie helfen, wirken aber mit Verzögerung.

Welche Signale solltest du in den kommenden Monaten beobachten? Aussagekräftig sind die monatlichen Auswertungen des IWH, weil sie Wendepunkte früher zeigen als die amtliche Statistik. Hilfreich sind außerdem Stimmungsindikatoren wie das ifo-Geschäftsklima sowie die Entwicklung der Auftragseingänge in Industrie und Bau. Steigen Aufträge über mehrere Monate, folgt die Entlastung bei den Insolvenzen meist mit einigen Quartalen Abstand.

Für deine Planung heißt das: Firmeninsolvenzen bleiben ein reales Geschäftsrisiko. Rechne bis weit ins Jahr 2027 mit einem erhöhten Ausfallrisiko bei Kunden und Lieferanten. Die amtlichen Zahlen für den Sommer werden wegen des Meldeverzugs erst im Herbst und Winter vollständig sichtbar.

Was Firmeninsolvenzen für Gläubiger und Beschäftigte bedeuten

Für Lieferanten und Dienstleister sind Firmeninsolvenzen bei Kunden vor allem ein Liquiditätsproblem. Mit der Eröffnung des Verfahrens werden offene Rechnungen zu Insolvenzforderungen, die du beim Insolvenzverwalter zur Tabelle anmelden musst. Am Ende erhalten ungesicherte Gläubiger meist nur eine Quote, die oft gering ausfällt und erst nach langer Zeit fließt.

Besser gestellt sind Gläubiger mit Sicherheiten. Ein wirksam vereinbarter Eigentumsvorbehalt erlaubt dir, gelieferte Ware auszusondern oder abgesondert befriedigt zu werden. Achte deshalb darauf, dass deine Allgemeinen Geschäftsbedingungen solche Klauseln enthalten und tatsächlich Vertragsbestandteil werden.

Vorsicht ist auch bei Zahlungen geboten, die du kurz vor einer Insolvenz erhalten hast. Der Insolvenzverwalter kann bestimmte Zahlungen anfechten und zurückfordern, etwa wenn du von der Krise deines Kunden wusstest. Ratenzahlungsvereinbarungen mit erkennbar angeschlagenen Kunden solltest du daher besonders sorgfältig dokumentieren.

Für Beschäftigte gibt es ein Sicherheitsnetz. Die Bundesagentur für Arbeit zahlt Insolvenzgeld für ausgefallene Löhne der letzten drei Monate vor dem Insolvenzereignis. Viele Unternehmen arbeiten im Insolvenzverfahren zudem zunächst weiter, sodass Firmeninsolvenzen nicht automatisch das Ende eines Betriebs bedeuten. In Eigenverwaltung gelingt manchen Firmen ein Neustart mit neuen Eigentümern oder schlankerer Struktur.

So schützt du dein Unternehmen vor Firmeninsolvenzen in deinem Umfeld

Du kannst die Konjunktur nicht steuern, wohl aber deine Abhängigkeiten und deine Reaktionsgeschwindigkeit. Diese Schritte haben sich in der Praxis bewährt:

  1. Liquidität rollierend planen: Erstelle eine Wochenvorschau für die nächsten 13 Wochen und eine Monatsplanung für zwölf Monate. Eine saubere Liquiditätsplanung mit klaren Szenarien zeigt Engpässe, bevor sie gefährlich werden.
  2. Kunden und Lieferanten prüfen: Hole für deine wichtigsten Geschäftspartner regelmäßig Bonitätsauskünfte ein und achte auf Warnsignale wie verlängerte Zahlungsziele oder Personalabgänge im Management.
  3. Forderungen absichern: Vereinbare Eigentumsvorbehalt, Anzahlungen oder Teilrechnungen und prüfe eine Warenkreditversicherung für große Einzelrisiken.
  4. Klumpenrisiken abbauen: Kein Kunde und kein kritischer Lieferant sollte einen so großen Anteil haben, dass sein Ausfall dich mitreißt. Baue für Schlüsselkomponenten eine zweite Bezugsquelle auf.
  5. Mahnwesen straffen: Rechne schnell ab, mahne konsequent und sprich säumige Kunden früh persönlich an. Jeder Tag Zahlungsverzug erhöht dein Ausfallrisiko.
  6. Frühzeitig mit Bank und Beratern sprechen: Wenn sich eigene Engpässe abzeichnen, verhandle früh über Kreditlinien und Stundungen. Je früher du handelst, desto mehr Optionen bleiben.

Wenn es im eigenen Betrieb eng wird

Geschäftsführer einer GmbH oder AG sind gesetzlich verpflichtet, bei Zahlungsunfähigkeit spätestens nach drei Wochen und bei Überschuldung spätestens nach sechs Wochen einen Insolvenzantrag zu stellen. Wer zu spät handelt, riskiert persönliche Haftung und strafrechtliche Folgen. Für die Überschuldungsprüfung gilt eine Fortbestehensprognose über zwölf Monate.

Vor dem Insolvenzantrag gibt es Alternativen. Das Unternehmensstabilisierungs- und -restrukturierungsgesetz (StaRUG) ermöglicht bei drohender Zahlungsunfähigkeit eine Sanierung außerhalb des Insolvenzverfahrens, und mit Eigenverwaltung oder Schutzschirmverfahren behält die Geschäftsführung mehr Kontrolle. Dieser Beitrag ersetzt keine individuelle Rechts- oder Sanierungsberatung, hol dir im Ernstfall frühzeitig fachkundige Unterstützung.

Ein unterschätztes Risiko ist auch die ungeklärte Nachfolge. Viele inhabergeführte Betriebe geraten in Schieflage, weil der Generationswechsel zu spät angegangen wird. Wie du das vermeidest, liest du in unserem Leitfaden zur strukturierten Unternehmensnachfolge im Mittelstand.

Fazit: Firmeninsolvenzen bleiben 2026 ein Dauerthema

Die Firmeninsolvenzen bewegen sich 2026 auf dem höchsten Niveau seit über einem Jahrzehnt, und eine Trendwende ist frühestens 2027 in Sicht. Verkehr und Lagerei, das Gastgewerbe und der Bau tragen das höchste Risiko pro Betrieb, die meisten Fälle entfallen aber auf Dienstleister. Neu ist, dass zunehmend auch große Arbeitgeber und junge Unternehmen scheitern.

Für dich bedeutet das: Behandle Insolvenzrisiko als festen Teil deines Risikomanagements. Wer seine Liquidität im Griff hat, Geschäftspartner beobachtet und Abhängigkeiten reduziert, übersteht diese Phase deutlich robuster. Die aktuellen amtlichen Daten findest du jeweils in der Insolvenzstatistik des Statistischen Bundesamts.

Häufige Fragen zu Firmeninsolvenzen

Wie viele Firmeninsolvenzen gab es im ersten Halbjahr 2026?

Laut Statistischem Bundesamt stellten im ersten Halbjahr 2026 insgesamt 12.812 Unternehmen einen Insolvenzantrag, 6,7 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Creditreform schätzt rund 12.900 Fälle und spricht vom höchsten Stand seit 2013. Die voraussichtlichen Forderungen der Gläubiger lagen laut Destatis bei rund 18,5 Milliarden Euro.

Welche Branchen haben 2026 das höchste Insolvenzrisiko?

Gemessen an der Zahl der Fälle je 10.000 Unternehmen führt der Bereich Verkehr und Lagerei mit 71,6 Insolvenzen im ersten Halbjahr 2026. Es folgen das Gastgewerbe mit 59,6 und das Baugewerbe mit 53,4 Fällen. Der Durchschnitt aller Branchen lag bei 36,2. In absoluten Zahlen entfallen die meisten Fälle auf Dienstleister.

Warum steigen die Firmeninsolvenzen weiter an?

Viele Betriebe leiden gleichzeitig unter schwacher Nachfrage, hohen Kosten für Energie, Personal und Material sowie teureren Krediten. Hinzu kommt dünnes Eigenkapital nach Pandemie und Energiekrise. Ein Teil der Fälle ist zudem ein Nachholeffekt, weil Staatshilfen in den Krisenjahren schwache Unternehmen länger am Markt gehalten haben.

Wann ist bei den Firmeninsolvenzen mit einer Trendwende zu rechnen?

Creditreform erwartet, dass der Höhepunkt der Insolvenzwelle noch nicht erreicht ist, und rechnet frühestens im Verlauf des Jahres 2027 mit einer Trendwende. Das IWH geht für die kommenden Monate ebenfalls von sehr hohen Fallzahlen aus. Entscheidend sind eine Belebung der Konjunktur, stabile Finanzierungskosten und sinkende Energie- und Bürokratiekosten.

Was sollten Unternehmer tun, wenn ein wichtiger Kunde insolvent wird?

Melde deine offenen Forderungen fristgerecht beim Insolvenzverwalter zur Insolvenztabelle an und prüfe, ob Eigentumsvorbehalte oder Sicherheiten greifen. Stoppe weitere Lieferungen auf Rechnung und vereinbare künftig Vorkasse. Parallel solltest du deine Liquiditätsplanung anpassen, um den Ausfall aufzufangen, und dich bei größeren Beträgen rechtlich beraten lassen.

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