Der Krankenstand in Deutschland bleibt hoch, und für viele Unternehmen ist er längst zu einem echten Wettbewerbsfaktor geworden. Laut DAK-Gesundheit waren im ersten Halbjahr 2026 an jedem Tag durchschnittlich 53 von 1.000 Beschäftigten krankgeschrieben. Das ist minimal weniger als im Vorjahr, doch erstmals sind psychische Erkrankungen die häufigste Ursache für Fehltage.
Gleichzeitig verschärft die Politik den Ton. Der Koalitionsausschuss hat im Juli 2026 angekündigt, die telefonische Krankschreibung abzuschaffen und eine Bescheinigung ab dem ersten Krankheitstag vorzuschreiben. Ein Gesetz dazu gibt es aber noch nicht.
Für dich als Führungskraft heißt das: Auf neue Regeln aus Berlin zu warten, reicht nicht. In diesem Beitrag erfährst du, was hinter den Zahlen steckt, welche Maßnahmen Fehlzeiten nachweislich senken und wo Unternehmen Geld und Vertrauen verbrennen.
Was bedeutet Krankenstand?
Der Krankenstand gibt an, welcher Anteil der Beschäftigten an einem durchschnittlichen Kalendertag krankgeschrieben ist. Ein Krankenstand von 5,3 Prozent bedeutet, dass täglich 53 von 1.000 Beschäftigten arbeitsunfähig gemeldet sind. Krankenkassen berechnen ihn aus den Arbeitsunfähigkeitstagen ihrer erwerbstätigen Versicherten und nutzen ihn als zentrale Vergleichskennzahl.
Wichtig für deine Interpretation: Kennzahlen verschiedener Quellen lassen sich nicht direkt vergleichen. Die Kassen zählen Kalendertage ihrer Mitglieder, das Statistische Bundesamt dagegen Arbeitstage auf Basis der Arbeitszeitrechnung des IAB. Deshalb liegen die Fehltage je Beschäftigtem je nach Quelle zwischen knapp 15 und über 23 Tagen im Jahr.

Krankenstand 2026: Wo Deutschland aktuell steht
Für das Gesamtjahr 2025 meldet die DAK einen Krankenstand von 5,4 Prozent, auf dem gleichen Niveau wie seit 2022. Jede bei der Kasse versicherte beschäftigte Person fehlte im Schnitt 19,5 Tage, nach 19,7 Tagen im Jahr davor. Knapp zwei Drittel hatten mindestens eine Krankschreibung.
Das Statistische Bundesamt kommt auf durchschnittlich 14,6 krankgemeldete Arbeitstage je Arbeitnehmer im Jahr 2025. Die Auswertung von Destatis zum Krankenstand zeigt ein Plus von 3,4 Tagen gegenüber 2021. Bei den AOK-Versicherten waren es laut WIdO 23,3 Fehltage, nach 23,9 Tagen im Jahr 2024.
Die Unterschiede zwischen Branchen sind deutlich. Laut DAK-Gesundheitsreport lag der Krankenstand 2025 im Gesundheitswesen bei 6,2 Prozent, in der IT und Datenverarbeitung dagegen nur bei 3,4 Prozent. Belastung, Schichtarbeit und Möglichkeiten zum mobilen Arbeiten spielen dabei eine große Rolle.
Psychische Erkrankungen überholen Erkältungen
Im ersten Halbjahr 2026 sank der Krankenstand bei der DAK leicht von 5,4 auf 5,3 Prozent. Dahinter steckt aber eine Verschiebung: Die Fehltage wegen Atemwegserkrankungen gingen um 21 Prozent zurück, die wegen psychischer Erkrankungen stiegen um 9 Prozent. Damit stehen seelische Leiden erstmals auf Platz eins der Diagnosen.
Für Unternehmen ist das eine schlechte Nachricht, weil diese Ausfälle lange dauern. Laut WIdO fehlen Beschäftigte bei psychischen Diagnosen im Schnitt 28,5 Tage pro Fall. Eine Grippewelle geht vorbei, ein Burnout dagegen hinterlässt Lücken über Wochen und belastet das ganze Team.
Ein Teil des Anstiegs ist ein Messeffekt
Seit 2022 übermitteln Arztpraxen Krankschreibungen elektronisch an die Krankenkassen. Seitdem landen auch kurze Ausfälle in der Statistik, die früher oft nie bei der Kasse ankamen. Destatis führt den Anstieg seit 2021 deshalb unter anderem auf die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung zurück.
Das WIdO hat diesen Effekt modelliert: Ohne die eAU hätten AOK-Versicherte 2025 rechnerisch nur rund 20,8 statt 23,3 Tage gefehlt. Ein Teil des hohen Krankenstands ist also Statistik, nicht schlechtere Gesundheit. Das Problem für Betriebe verschwindet dadurch aber nicht, denn ausgefallene Schichten muss trotzdem jemand übernehmen.
Was ein hoher Krankenstand Unternehmen kostet
Die direkten Kosten sind enorm. Nach Berechnungen des IW Köln zahlten Arbeitgeber 2025 rund 85,6 Milliarden Euro für die Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall. Davon entfielen 72,5 Milliarden Euro auf Bruttolöhne und 13,1 Milliarden Euro auf Sozialbeiträge.
Laut IW haben sich diese Aufwendungen binnen anderthalb Jahrzehnten nominal mehr als verdoppelt. Hinzu kommen Kosten, die in keiner Statistik auftauchen:
- Überstunden und Mehrbelastung im Team, die weitere Ausfälle begünstigen
- Leiharbeit, Aushilfen oder verschobene Aufträge
- Qualitätsprobleme, wenn Einarbeitung und Übergaben fehlen
- Präsentismus, also Arbeit trotz Krankheit, mit geringerer Leistung und Ansteckungsrisiko
Besonders aufschlussreich ist die Verteilung. Laut WIdO machen Langzeiterkrankungen über sechs Wochen nur 3,3 Prozent der Fälle aus, verursachen aber mehr als 40 Prozent der Fehltage. Kurzerkrankungen bis zu einer Woche stehen für 71 Prozent der Fälle, jedoch nur für 23 Prozent der Fehltage.
Diese Zahlen entlarven eine verbreitete Annahme. Wer den Krankenstand senken will, gewinnt wenig, wenn er nur kurze Krankmeldungen ins Visier nimmt. Den größten Hebel hast du bei langen Ausfällen, bei psychischen Belastungen und bei einer gelungenen Rückkehr an den Arbeitsplatz.
So misst du den Krankenstand im eigenen Betrieb
Bevor du Maßnahmen planst, brauchst du eine belastbare Zahl für deinen Betrieb. Die gängige Formel lautet: krankheitsbedingte Fehltage geteilt durch die vereinbarten Soll-Arbeitstage aller Beschäftigten, multipliziert mit 100. Fehlen in einem Team mit 20 Personen und je 220 Soll-Arbeitstagen insgesamt 220 Tage, liegt die Quote bei 5 Prozent.
Eine einzelne Jahreszahl sagt allerdings wenig. Aussagekräftig wird die Auswertung erst, wenn du sie nach Bereichen, Altersgruppen und Dauer der Ausfälle aufschlüsselst. Ergänzende Kennzahlen helfen dir, Muster zu erkennen:
- Anteil der Beschäftigten ohne einen einzigen Fehltag im Jahr
- Zahl der Fälle je 100 Beschäftigte, getrennt nach Kurz- und Langzeitfällen
- Durchschnittliche Dauer je Fall
- Zahl der BEM-Berechtigten und angenommenen BEM-Angebote
Achte dabei streng auf den Datenschutz. Gesundheitsdaten sind besonders geschützt, deshalb wertest du nur aggregiert und ab einer Mindestgruppengröße aus. Diagnosen erfährst du als Arbeitgeber ohnehin nicht, und das ist auch gut so.
Vergleiche deine Werte mit den Branchenzahlen der Krankenkassen, aber ziehe keine voreiligen Schlüsse. Ein Team mit hohem Altersdurchschnitt oder körperlich schwerer Arbeit hat zwangsläufig einen anderen Krankenstand als eine junge Entwicklungsabteilung. Entscheidend ist die Entwicklung über mehrere Jahre und der Abstand zu vergleichbaren Bereichen.
AU ab dem ersten Tag: Was die Politik plant
Am 2. Juli 2026 hat der Koalitionsausschuss zwei Änderungen angekündigt. Die telefonische Krankschreibung soll wegfallen, und Beschäftigte sollen künftig ab dem ersten Krankheitstag eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vorlegen. Einen verabschiedeten Gesetzentwurf und einen Starttermin gibt es bis Anfang Oktober 2026 nicht.
Bis zu einer Neuregelung gilt das bisherige Recht. Eine ärztliche Bescheinigung ist spätestens am Tag nach dem dritten Kalendertag fällig, doch Arbeitgeber dürfen sie schon heute früher verlangen. Ein Karenztag ohne Lohnfortzahlung wurde diskutiert, ist laut Fachpresse aber vom Tisch.
Ob strengere Nachweispflichten den Krankenstand spürbar senken, ist umstritten. Ärzteverbände warnen vor volleren Praxen, und die Daten zeigen, dass kurze Ausfälle nur einen kleinen Teil der Fehltage ausmachen. Dieser Beitrag ersetzt keine individuelle Rechtsberatung, prüfe arbeitsrechtliche Änderungen im Zweifel mit Fachleuten.
Krankenstand senken: Diese Maßnahmen wirken wirklich
Die gute Nachricht: Betriebliche Prävention lohnt sich messbar. Der iga.Report 28 der Initiative Gesundheit und Arbeit wertete rund 2.400 Studien aus. Das Ergebnis: Krankheitsbedingte Fehlzeiten sinken durch betriebliche Gesundheitsförderung im Schnitt um ein Viertel, und jeder investierte Euro spart rechnerisch 2,70 Euro an Fehlzeitenkosten.
Die Auswertung stammt aus dem Jahr 2015, ihre Kernbotschaft ist aber weiterhin gültig. Am besten wirken Programme, die das Verhalten der Beschäftigten und die Arbeitsbedingungen gleichzeitig verändern. Ein Obstkorb allein senkt den Krankenstand nicht.
Führung als stärkster Hebel
Führungskräfte prägen Arbeitsmenge, Klima und Anerkennung, also genau die Faktoren hinter psychischen Belastungen. Gesunde Führung heißt nicht, ständig nach dem Befinden zu fragen. Sie bedeutet klare Prioritäten, realistische Ziele und Rückendeckung, wenn es eng wird. Wer selbst krank im Büro erscheint und nachts E-Mails schreibt, setzt einen Standard, dem das Team folgt.
Achte auf Warnsignale wie Rückzug, Zynismus oder nachlassendes Engagement. Häufig zeigt sich Überlastung zuerst als innere Kündigung, bevor die erste Krankschreibung kommt. Wie du Quiet Quitting frühzeitig erkennen kannst, hilft dir, rechtzeitig gegenzusteuern.
Plane regelmäßige Einzelgespräche fest ein, auch wenn dein Team verteilt arbeitet. Gerade bei der Führung hybrider Teams bleiben Erschöpfung und Konflikte sonst lange unsichtbar.
Psychische Gefährdungsbeurteilung ernst nehmen
Nach dem Arbeitsschutzgesetz muss jeder Arbeitgeber die Gefährdungen am Arbeitsplatz beurteilen, ausdrücklich auch psychische Belastungen. In vielen Betrieben existiert dieses Dokument nur auf dem Papier. Dabei ist es dein bestes Diagnoseinstrument, um Ursachen für einen hohen Krankenstand zu finden.
Frage gezielt nach Zeitdruck, Unterbrechungen, unklaren Rollen und fehlendem Handlungsspielraum. Entscheidend ist, dass aus den Ergebnissen konkrete Maßnahmen folgen und du ihre Wirkung überprüfst. Sonst sinkt die Bereitschaft der Belegschaft, bei der nächsten Befragung ehrlich zu antworten.
Betriebliches Eingliederungsmanagement konsequent anbieten
Wer innerhalb eines Jahres länger als sechs Wochen ununterbrochen oder wiederholt arbeitsunfähig war, hat Anspruch auf ein Betriebliches Eingliederungsmanagement. Für Arbeitgeber ist das Angebot Pflicht, für Beschäftigte freiwillig. Details erklärt das Bundesarbeitsministerium zum BEM.
Weil Langzeitfälle den Großteil der Fehltage verursachen, ist das BEM einer der wirksamsten Hebel. Eine stufenweise Wiedereingliederung, angepasste Aufgaben oder technische Hilfen verhindern Rückfälle. Eine Studie von BAuA und BIBB zeigte, dass etwa sechs von zehn Berechtigten gar kein Angebot erhielten.
Gesundheitsförderung gezielt statt mit der Gießkanne
Investiere dort, wo die Daten Bedarf zeigen. Der iga.Report nennt besonders wirksame Felder:
- Prävention psychischer Erkrankungen, etwa Stressbewältigung und Resilienztrainings
- Bewegungsförderung und ergonomische Arbeitsplätze
- Gewichtsreduktion und gesunde Ernährung
- Rauchentwöhnung
Steuerlich kannst du pro Beschäftigtem und Jahr bis zu 600 Euro für zertifizierte Gesundheitsmaßnahmen steuer- und beitragsfrei aufwenden. Grundlage ist § 3 Nummer 34 EStG, die Leistung muss zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Lohn erfolgen.
Kurze Ausfälle mit einfachen Mitteln verringern
Auch wenn Kurzerkrankungen nur einen kleineren Teil der Fehltage ausmachen, stören sie Abläufe besonders stark. Bewährt haben sich Impfangebote durch den Betriebsarzt vor der Erkältungssaison, gute Belüftung und die klare Botschaft, mit ansteckenden Infekten zu Hause zu bleiben. Wer mobil arbeiten kann, schützt bei leichten Symptomen das Team, sollte aber nie krank arbeiten müssen.
Arbeitszeit und Flexibilität klug gestalten
Planbare Arbeitszeiten, ausreichende Erholung und Spielraum bei der Einteilung schützen vor Erschöpfung. Mobiles Arbeiten kann helfen, wenn klare Erreichbarkeitsregeln gelten und Arbeit nicht in den Feierabend wandert. Manche Betriebe testen kürzere Wochenarbeitszeiten, wie die Erfahrungen mit der Vier-Tage-Woche im Mittelstand zeigen.
Solche Modelle sind kein Selbstläufer. Wer die gleiche Arbeit in weniger Zeit presst, erhöht den Druck und riskiert genau die Ausfälle, die er vermeiden will. Prüfe deshalb vorab Prozesse, Meetings und Aufgabenverteilung. Starte am besten mit einer befristeten Pilotphase in einem Bereich und miss dort Fehlzeiten, Zufriedenheit und Produktivität vor und nach der Umstellung.
Was den Krankenstand nicht senkt
Viele Unternehmen greifen zuerst zu Kontrolle. Krankenrückkehrgespräche mit Verhörcharakter, Anwesenheitsprämien oder öffentliche Fehlzeitenlisten wirken auf den ersten Blick konsequent. Tatsächlich fördern sie oft Präsentismus: Beschäftigte kommen krank zur Arbeit, stecken Kollegen an und fallen später umso länger aus.
Begegne auch dem Generalverdacht des Blaumachens mit Vorsicht. Natürlich gibt es Missbrauch, und du darfst ihm arbeitsrechtlich begegnen. Doch die Daten zeigen, dass psychische Erkrankungen und Langzeitfälle die Fehltage treiben, nicht der einzelne Montag.
Ein Fehlzeitengespräch sollte zuerst fragen, was die Arbeit zur Erkrankung beigetragen hat und was der Betrieb ändern kann.
In 7 Schritten den Krankenstand systematisch senken
So gehst du strukturiert vor, statt einzelne Aktionen ohne Wirkung zu starten:
- Daten auswerten: Analysiere Fehlzeiten anonymisiert nach Bereichen, Dauer und Saison. Viele Krankenkassen bieten Betrieben dafür Gesundheitsberichte an.
- Ursachen erfragen: Aktualisiere die Gefährdungsbeurteilung mit Fokus auf psychische Belastungen und führe eine anonyme Mitarbeiterbefragung durch.
- Prioritäten setzen: Konzentriere dich auf Teams mit dem höchsten Krankenstand und auf Langzeitfälle.
- Führungskräfte schulen: Trainiere gesunde Führung, Gesprächsführung und das Erkennen von Überlastung.
- BEM professionalisieren: Lege einen klaren Prozess fest, benenne Verantwortliche und biete das Gespräch zuverlässig an.
- Gezielte Angebote schaffen: Nutze den Steuerfreibetrag von 600 Euro für zertifizierte Kurse und verbessere Ergonomie sowie Arbeitszeitmodelle.
- Wirkung messen: Vergleiche Fehlzeiten, Fluktuation und Befragungsergebnisse nach sechs und zwölf Monaten und passe die Maßnahmen an.
Binde Betriebsrat, Betriebsarzt und Fachkraft für Arbeitssicherheit von Anfang an ein. Das schafft Vertrauen und erhöht die Chance, dass Beschäftigte die Angebote tatsächlich nutzen.
Fazit: Gesunde Arbeit schlägt schärfere Kontrollen
Der Krankenstand ist 2026 leicht gesunken, bleibt aber hoch, und die Ursachen verschieben sich hin zu psychischen Erkrankungen und langen Ausfällen. Strengere Nachweispflichten mögen politisch Signalwirkung haben, an diesen Treibern ändern sie wenig.
Wirksam sind Maßnahmen, die an den Arbeitsbedingungen ansetzen: gute Führung, eine ernst gemeinte Gefährdungsbeurteilung, ein konsequentes BEM und gezielte Gesundheitsförderung. Die Studienlage zeigt, dass sich diese Investitionen rechnen. Fang mit einer ehrlichen Datenanalyse an, denn wer die Ursachen kennt, senkt den Krankenstand nachhaltig.
Häufige Fragen zu Krankenstand
Wie hoch ist der Krankenstand in Deutschland 2026?
Laut DAK-Gesundheit lag der Krankenstand im ersten Halbjahr 2026 bei 5,3 Prozent, nach 5,4 Prozent im Vorjahreszeitraum. An jedem Tag waren damit durchschnittlich 53 von 1.000 Beschäftigten krankgeschrieben. Erstmals waren psychische Erkrankungen die häufigste Ursache für Fehltage, während Atemwegserkrankungen deutlich zurückgingen.
Warum ist der Krankenstand seit 2022 so hoch?
Ein Teil des Anstiegs ist ein Messeffekt. Seit 2022 übermitteln Arztpraxen Krankschreibungen elektronisch an die Krankenkassen, dadurch werden auch kurze Ausfälle vollständiger erfasst. Das WIdO schätzt, dass AOK-Versicherte 2025 ohne diesen Effekt rund 20,8 statt 23,3 Tage gefehlt hätten. Hinzu kommen mehr psychische Erkrankungen und lange Ausfälle.
Welche Maßnahmen senken Fehlzeiten am wirksamsten?
Am stärksten wirken Maßnahmen, die Arbeitsbedingungen und Verhalten gemeinsam verändern. Dazu zählen gesunde Führung, eine Gefährdungsbeurteilung mit Fokus auf psychische Belastungen, ein konsequentes Betriebliches Eingliederungsmanagement und gezielte Angebote wie Stressprävention und Bewegungsförderung. Laut iga.Report sinken Fehlzeiten durch solche Programme im Schnitt um ein Viertel.
Wann muss ich als Arbeitgeber ein BEM anbieten?
Du musst ein Betriebliches Eingliederungsmanagement anbieten, wenn Beschäftigte innerhalb eines Jahres länger als sechs Wochen ununterbrochen oder wiederholt arbeitsunfähig waren. Die Teilnahme ist für Beschäftigte freiwillig. Ziel ist, die Arbeitsunfähigkeit zu überwinden, erneuten Ausfällen vorzubeugen und den Arbeitsplatz zu erhalten. Betriebsrat und Betriebsarzt werden bei Bedarf beteiligt.
Gilt die Krankschreibung ab dem ersten Tag schon?
Nein. Der Koalitionsausschuss hat im Juli 2026 angekündigt, eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ab dem ersten Tag einzuführen und die telefonische Krankschreibung abzuschaffen. Bis Anfang Oktober 2026 ist das aber nicht gesetzlich umgesetzt. Weiterhin gilt, dass die Bescheinigung nach dem dritten Kalendertag fällig ist, sofern der Arbeitgeber sie nicht früher verlangt.